DFG-Projekt Koedukation


Zur Stabilität des physik- und chemiebezogenen Selbstkonzepts
Längsschnittstudie zu den Auswirkungen der Geschlechterkonstellation einer Lerngruppe auf die situational aktivierte Identität und die schulische Entwicklung Jugendlicher

An insgesamt sieben Berliner Gesamtschulen wurde der Unterricht in Physik und Chemie während des ganzen achten Schuljahres bei der Hälfte der Schülerinnen und Schülern in gemischten Lerngruppen, bei der anderen Hälfte in getrenntgeschlechtlichen Lerngruppen unterrichtet. In Berlin findet in den achten Klassen der Anfangsunterricht in Physik und Chemie statt.

Bisher konnte nachgewiesen werden, dass Mädchen aus reinen Mädchengruppen am Ende der achten Klasse ein besseres physikbezogenes Selbstkonzept aufwiesen als die Mädchen in den gemischtgeschlechtlichen Kontrollgruppen. In der Anschlussphase soll überprüft werden, wie stabil diese Wirkung des getrenntgeschlechtlichen Anfangsunterrichts ist, wenn in der neunten Klasse alle Schülerinnen und Schüler wieder in gemischten Gruppen unterrichtet werden.

In einer experimentellen Studie konnte der für diese positive Wirkung verantwortliche psychologische Prozess identifiziert werden. Nun sollen diese Erkenntnisse auf Maßnahmen übertragen werden, die auch innerhalb koedukativer Unterrichtung verwirklicht werden können. Dabei soll geprüft werden, ob die Formulierung von Physikaufgaben einen Einfluss auf Aktivierung geschlechtsbezogener Identitätsaspekte hat. Es wird vermutet, dass bei Mädchen geschlechtsbezogenes, aufgabenirrelevantes Wissen, das durch die Verknüpfung von Physikaufgaben mit bestimmten alltagsbezogenen "Cover Stories" aktiviert wird, zum Einschlagen eines falschen Lösungsweges führt.

Um die Frage zu klären, inwiefern das Ablehnen des Faches Physik für Mädchen in der Adoleszenz funktional für die Entwicklung ihrer Geschlechtsrollenidentität ist, wird die Untersuchung durch eine Interviewstudie mit Mädchen zehnter Klassen ergänzt.

Laufzeit: 1998-2001

 

Ausgewählte Publikationen des Projektes:

Hannover, B. & Kessels, U. (2002). Monoedukativer Anfangsunterricht in Physik in der Gesamtschule. Auswirkungen auf Motivation, Selbstkonzept und Einteilung in Grund- und Fortgeschrittenenkurse. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 34 (4).

Kessels, U. (2002). Undoing Gender in der Schule. Eine empirische Studie über Koedukation und Geschlechtsidentität im Physikunterricht.
Weinheim/München: Juventa

Kessels, U., Hannover, B. & Janetzke, H. (2002). Einstellungen von
Schülerinnen und Schülern zur Monoedukation im naturwissenschaftlichen Anfangsunterricht. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 49(1) 17-30.


Kontakt: 
Dr. Ursula Kessels
Freie Universität Berlin
Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin
Phone: ++49-30-8385 69 54 
Fax: ++49-30-8385 69 59

Projektleitung: Prof. Dr. Bettina Hannover
Prof. Dr. Lutz Schön
 
Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen: Dr. Ursula Kessels
Prof. Dr. Hansjoachim Lechner